Bulletin November 2017

BERUFSBILDUNG VERSUS JUGENDARBEITSLOSIGKEIT

27 Milliarden Euro

Diese gigantische Summe will die EU-Kommission in den nächsten Jahren in die Berufsbildung investieren. Grund dafür: Die Jungendarbeitslosigkeit ist gemäss EU-Bericht eines der dringendsten Probleme in der Europäischen Union. 

Nun will die Kommission durch eine verstärkte Förderung der Berufsbildung entschieden Gegensteuer geben. Die Stärkung der Berufsbildung soll, so die Kommission, «die Beschäftigungsfähigkeit und die persönliche Entwicklung von Auszubildenden stärken und zu einer hervorragend ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmerschaft gemäss den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes beitragen.»

Was neben der Höhe der Investition weiter erstaunt, ist die Tatsache, dass die finanziellen Mittel um dieses Ziel zu erreichen, ausgerechnet aus dem EU-Sozialfonds stammen sollen. Dahinter steht klar die Erkenntnis und Logik, dass versäumte Anstrengungen bei der Berufsbildung unsere Gesellschaft längerfristig ein Vielfaches an Sozialgeldern kosten werden. 

Dass nun diese gewaltige Summe von 27 Milliarden Euro durch die öffentliche Hand investiert werden soll zeigt aber auch, dass das Modell der Berufsbildungs-Delegation an die Wirtschaft auf Grund zu hoher Selektionskriterien nicht mehr genügend tragfähig ist. Zu viele potentielle Berufseinsteiger werden bereits nicht mehr in den Förderungsprozess der Firmen aufgenommen. 

Jugendliche, die zu wenig gute Voraussetzungen ausweisen können, gar noch Unterstützungsbedarf vermuten lassen, bleiben auf der Strecke und haben es zukünftig sehr schwer, mangels genügender Qualifikationen ins Erwerbsleben einzusteigen. Sie bleiben im Netz der Sozialhilfe hängen. Die Gegenmassnahmen dieser Entwicklung will nun die EU-Kommission mit einem monströsen Etat aus dem Sozialfonds anstossen.

In unserem Land stellt sich diese Herausforderung wesentlich moderater dar. Zwar kennen wir das wachsende Phänomen der Selektion auch. Aber bei uns sind in den vergangenen Jahren Systeme entstanden, welche innerhalb der Berufsbildung wirksame Alternativen zur exklusiven Rolle des allgemeinen Arbeitsmarktes darstellen. Soziale Institutionen und ihre Betriebe können heute den unterschiedlichen Bedarfsgruppen wirksame Programme der Beruf-lichen Integration von Menschen mit Unterstützungsbedarf zur Verfügung stellen. Der Schlüssel zum Erfolg einer nachhaltigen Beruflichen Integration sollte in der Schweiz nicht darin liegen, wie die EU gigantische Summen an Sozialgeldern loszutreten, sondern weiterhin die bestehenden arbeitsagogischen Alternativstrukturen zur privaten Wirtschaft politisch und materiell zu stützen. 

Ausbildung
Ausbildung

Als Institution SEEBURG erfüllen wir seit Jahren unsere Aufgabe auch in der Beruflichen Integration. Aktuell befinden sich in unseren verschiedenen Betrieben und Dienstleistungsbereichen 55 junge Menschen mit Unterstützungsbedarf in agogisch begleiteten Programmen der Berufsausbildung.

In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Firmen des allgemeinen Arbeitsmarktes ist für die berufliche Grundbildung auch die nicht institutionelle Platzierung und Betreuung von Jugendlichen mit geringem zusätzlichen Förderbedarf möglich. Diese Ausbildungsbetriebe können mit der beratenden Unterstützung  unserer Job-Coaches rechnen. 

Neben den Berufsausbildungen in 15 unterschiedlichen Berufsgattungen bieten wir auch vorgelagerte Programme wie Abklärungen, Vorbereitungszeiten, Trainingsarbeitsplätze, Brückenangebote und Vorlehren an. 

Zu unseren Angeboten gehören auch Anschlusslösungen nach einer Kriseninterven-tion bei Jugendlichen und jungen Erwach-senen.

Laut Studien kann rund die Hälfte aller Betroffenen nach dem erstmaligen Aufenthalt in einer Klinik nicht mehr in das angestammte Umfeld oder in die Herkunftsfamilie zurückkehren. Ein neues, förderliches Milieu ist notwendig. Es eröffnet persönliche Chancen und ermöglicht eine weitere Stabilisierung. Zudem sollten viele von ihnen zusätzlich zur psychischen Erholung auch Perspektiven in Richtung einer angepassten, ihren Begabungen und Ressourcen entsprechenden Berufsausbildung oder Wiedereingliederung entwickeln und umsetzen können.

Verbunden mit den berufsintegrativen Angeboten stellen wir gleichzeitig auch differenzierte Wohnmöglichkeiten mit unterschiedlichem sozialpädagogischem Setting zur Verfügung. Die jeweilige Wohnform richtet sich nach der Selbständigkeit der Person (betreutes bis teilautonomes Wohnen) und nach den aktuell zur Verfügung stehenden freien Plätzen. Diese Lösung bietet sich in erster Linie bei Jugendlichen an, welche für die Zeit ihrer erstmaligen Berufsausbildung noch ein stabilisierendes Milieu benötigen oder aus anderen Regionen kommen.

Ausbildung

BERUFSPROFILE IN DER SEEBURG

EFZ Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis 

Fachfrau/-mann Betriebsunterhalt 
Koch/Köchin
Hotelfachfrau/-mann
Restaurationsfachfrau/-mann
Kauffrau/Kaufmann Profil B/E
Fachfrau/-mann Hauswirtschaft
Logistiker/in (Lager)
Schreiner/in (Möbel und Innenausbau)
Gärtner/in (Garten und Landschaftsbau)
Maler/in
Detailhandelsfachfrau/mann
FAGE/FABE (Mindestalter 18 Jahre)
Informatiker/in
ICT-Fachmann/-frau EFZ
Mediamatiker/in 

EBA Eidgenössisches Berufliches Attest

Unterhaltspraktiker/in
Küchenangestellte/r
Hotellerieangestellte/r
Restaurationangestellte/r
Büroassistent/in
Hauswirtschaftspraktiker/in
Logistiker/in (Lager)
Schreinerpraktiker/in
Gärtnereiarbeiter/in (Garten- und Landschaftsbau)
Malerpraktiker/in
Detaihandelsassistent/in
Assistent/in Gesundheit und Soziales
Informatikpraktiker/in

PrA Ausbildung nach INSOS-Profil oder IV-Anlehre 

In den oben aufgeführten Berufsrichtungen (ausser Informatik, Mediamatik und FAGE/FABE) sind INSOS–Ausbildungen möglich. Zusätzlich auch als Industriepraktiker und Gebäudereiniger. 

Umschulungen

Zusätzlich zu den aufgeführten Berufen sind Umschulungen auch in den Bereichen Arbeitsagogik und Sozialpädagogik möglich.

 

WOHNEN

BEDÜRFNIS-ANGEPASSTE WOHNLÖSUNGEN

In unseren Wohnbereichen finden auch Menschen jeden Alters Aufnahme, die bei ihrer Lebensgestaltung dauerhaft oder vorübergehend Unterstützung wünschen. Die Häuser sind auf eine kompetente Betreuung, mehrheitlich rund um die Uhr, ausgerichtet und bieten zur Beschäftigung und Freizeitgestaltung eine Tagesstruktur an.

WOHNEN MIT PFLEGE

Unser Angebot im Alters- und Pflegebereich, das HAUS EICHE, befindet sich im Jungfrau-Areal in Wilderswil und umfasst 15 moderne und helle Einzelzimmer mit «Jungfraublick». Die Wohnbereiche sind umfassend barrierefrei konzipiert und auf kompetente Begleitung rund um die Uhr ausgerichtet. Unser Angebot steht Personen mit Pflegebedarf zur Verfügung. 

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